Ich bin geübt in Hypnose, Meditation und Philosophieren … und doch spüre ich diesen unbändigen inneren Vorwärtsdrang. Ein Widerspruch?
Steht der Vorwärtsdrang im Widerspruch zur Stille der Meditation?
Manche nennen mich womöglich un-geduldig – obschon dieses Wort irgendwie bewertend wirkt. Ich bleibe lieber bei Vorwärtsdrang und anerkenne, dass auch dieser zum Leben gehört: genauso wie das Innehalten und Annehmen.
Wenn ich meinen Vorwärtsdrang reflektiere, so spüre ich Neugier auf das Leben, Selbstbestimmung, Freude. Und ich sehe eine Passionsblume vor mir.
Die Passionsblume als Symbol für Vorwärtsdrang und Innehalten um in Weisheit zu erblühen.
Die Passionsblume verkörpert Vorwärtsdrang auf besondere Weise: Mit ihren Ranken tastet sie sich ihren Weg und strebt dem Licht entgegen. Abwarten ist nicht ihre Art zu leben – ihr Wesen liegt in Bewegung und Entfaltung. Gleichzeitig bleiben ihre Wurzeln fest in der Erde verankert.
Und mitten in diesem beständigen Streben öffnet sich ihre Blüte: ein Moment von Stille, Schönheit und Komplexität – fast wie eine Pause im Wachstum, in der etwas Tieferes sichtbar wird. So verbindet die Passionsblume Bewegung und Innehalten. Sie macht spürbar, dass Vorwärtsdrang und Ruhe kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig tragen.
Die eigene Weisheit erkennen
Mein Vorwärtsstreben hat mich reich an Erfahrungen gemacht – und manchmal auch müde. Vor allem dann, wenn ich mir zu viel zugemutet habe. Doch Erfahrungen allein machen uns noch nicht weise. Erst durch Reflexion, Bewusstheit und Integration können sie zu innerem Wissen und persönlicher Reife werden.
Das Leben lehrt uns in der Bewegung. Aber es braucht den Moment des Innehaltens, der Betrachtung und der Verbindung mit uns selbst, damit wir unsere eigene Weisheit erkennen können. Wenn ich immer nur weiterlaufe, kann mich die Fülle meiner Erfahrungen nicht einholen. Oder um bei der Passionsblume zu bleiben: Dann kann sie nicht erblühen.
Der schmale Grat von Vorwärtsdrang und getrieben sein
Ich glaube nicht, dass Vorwärtsdrang gezähmt werden muss – auch nicht auf dem Weg zu mehr Gelassenheit oder innerer Ruhe. Er darf fliessen, sich entfalten und bewusst gelebt werden.
Der schmale Grat liegt dort, wo aus Vorwärtsdrang Getriebensein wird. Nicht jede Bewegung entspringt derselben Quelle. Manchmal zieht uns die Freude am Entdecken nach vorn – und manchmal schiebt uns unbemerkt die Angst nicht zu genügen oder etwas zu verpassen.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, sich hin und wieder eine einfache Frage zu stellen: Werde ich gerade von etwas angezogen – oder vor etwas weggeschoben? Allein diese ehrliche Beobachtung kann den Unterschied sichtbar machen.
zum Weiterdenken
Die Bewegung schenkt Erfahrung. Die Stille schenkt Verbindung. Und im Zusammenspiel von beidem entstehen Weisheit und ein Wachstum, das nicht nur weiterführt, sondern auch tiefer werden lässt.












